
Sicherlich habt ihr mitbekommen, dass das legendäre QUELLE Versandhaus kurz vor dem Aus stand bzw. steht. Es fehlte schlichtweg an Liquidität um den neuen QUELLE Katalog in Druck zu geben. Der dicke Shopping-Schinken kostet in seiner Produktion gut 25 Millionen Euro. QUELLE benötigt zudem geschätzte weitere 25 Millionen Euro um Gehaltszahlungen bis Ende des Jahres zu sichern und darüber hinaus Wareneinkäufe zu tätigen.
Nun stellt sich die Frage, warum QUELLE derart in Schieflage geraten konnte.
Vergleicht man QUELLE mit seinen größten Mitbewerbern OTTO und Neckermann, so ist durchaus unklar, warum ausgerechnet das älteste deutsche Versandhaus in Schieflage geraten konnte. Was machen Otto und Neckermann besser?
Liegt die Antwort im eCommerce?
Ich persönlich denke, dass das QUELLE Management in den letzten Jahren viele Fehler gemacht hat. Man hat sichlichtweg den Internet-Boom verschlafen. Von 2005-2006 habe ich ein Werbenetzwerk mit über 2.000 teilnehmenden Websites betrieben, in welchen ich auch Versandhäuser beworben hatte. Hierbei habe ich allerdings nicht QUELLE.de sondern vorrangig Neckermann und Bonprix beworben.
Neckermann besaß unter allen deutschen Versandhäusern das am besten konvertierende Partnerprogramm. Der Support war erstklassig und die eCommerce-Plattform von Neckermann wirklich professionell aufgebaut und betrieben.
Bei QUELLE stellte man sich insbesondere 2005 und 2006 die Frage, ob QUELLE überhaupt erkannt hat, dass das Internet eine große Chance bietet. Das Layout war altbacken und selbst heute ist die Usability der eCommerce Plattform alles andere als optimal.
Genau das gleiche Bild hat sich bei Karstadt.de geboten. Karstadt hätte doch seine hervorragende Kundennähe dazu nutzen können um ein erstklassiges eCommerce-Angebot aufzubauen. Man bedenke nur mal, welche Möglichkeiten sich bieten, wenn eine eCommerce-Plattform über ein engmaschiges Netz an Verkäufshäusern verfügt…
Aber generell stelle ich mir die Frage “Warum Staatshilfen in der sozialen Marktwirtschaft”?
Wenn ein Unternehmen wie Arcandor (Quelle, Karstadt) es verschlafen hat, den Internetsektor richtig zu nutzen, dann sollte das Untenrehmen hieraus seine Konsequenzen ziehen. Wenn das Unternehmen von rückläufigem Umsatz betroffen ist und nicht mehr in der Lage ist, seine Infrastruktur aufrecht zu erhalten, dann sollte das Unternehmen schlichtweg Insolvenz anmelden.
Besitzt das Unternehmen noch überlebensfähige Tragseulen, so könnte das Unternehmen im Zuge des Insolvenzverfahrens ”gesund geschrumpft werden” und kann sich auf normalem Wege enwickeln.
Doch was ist Realität?
Realität ist eine Wettbewerbesverzerrung durch Staatshilfen. Unternehmen die genug Weitblick bewiesen haben und in Zukunftsmärkte investiert haben (Beispiel Otto und Neckermann) können durch die Tatsache, dass sie besser sind als ihre Mitbewerber nicht profitieren.
Ich vergleiche das Unternehmertum gerne mit dem Motorsport.
Besitzt ein Unternehmen genug Erfahrung, dann ist es in der Situation ein Rennen zu gewinnen. Pokert ein Unternehmen zu hoch, so läuft das Unternehmen Gefahr aus einer Kurve zu fliegen oder vielleicht sogar einen Unfall zu bauen. In diesem Fall ist das Rennen eben beendet. Nachrückende Teams, Fahrer bzw. Unternehmen rücken in den Markt um Marktanteile neu aufzuteilen.
Die soziale Marktwirtschaft ist ein lebender Organismus, den man nicht durch Staatshilfen verzerren sollte.
Der Bessere möge gewinnen!
New blog post: Kein Verständnis für Quelle-Staatshilfen http://bit.ly/14PhVy
Auch wenns um viele Arbeitsplätze geht, muss ich dir da zustimmen.
Ich kann dir auch nur zustimmen.
Wer die Zukunft verpennt ist selbst Schuld wenn der Karren im Dreck steckt.
Ähnlich sehe ich das auch bei Opel.
Gruß
Patrick
Hmmm…Diese Metapher. Würdest jemanden, der aus der Kurve fliegt denn auch dort liegen lassen? Kein Krankenwagen?
Klar, Quelle hat definitv Fehler gemacht, die du auch gut aufzeigst. Über den Erhalt eines solchen Unternehmens lässt sich streiten. Aber ich bezweifele, dass es bei den Staatsanleihen nur um den Erhalt geht. Ein Arbeitsplatzabbau sollte ja im besten Fall auch vorbereitet werden, das kostet natürlich Geld.
Dass die Reaktion durch Staatsanleihen sehr spät kommt, sehe ich auch so. Ich finde nur diese Sicht “Der Bessere möge gewinnen” zu einseitig und ganz ehrlich – nicht sozial.
Zitat:
Hmmm…Diese Metapher. Würdest jemanden, der aus der Kurve fliegt denn auch dort liegen lassen? Kein Krankenwagen?
Okay, dann stellt sich aber die Gegenfrage, warum mittelständischen Unternehmen nicht geholfen wird, wenn diese in Schieflage geraten. Ruft man also nur den “Krankenwagen” bei Multi-Millionen Unternehmen? Die kleineren müssen sterben weil sie zu wenig Einfluss auf die Wirtschaft ausüben? Ist das sozial? Ist der Mittelstand nicht die Tragsäule unserer Wirtschaft? Statt den Mittelstand zu entlasten, sieht unsere Bundesregierung zu, wie sich Banken EZB-Kredite zum Zinssatz von 1% abholen aber diese Konditionen nicht an den Mittelstand weiter geben. Das Ganze hinkt doch gewaltig.
Die Sichtweise aufgrund der Grundlage “Der Bessere möge gewinnen” halte ich durchaus für richtig. Denn so reguliert sich das gesamte System selbst.
Wenn Neckermann bereits 12/2007 mehr Umsatz durch das Internet gemacht hat, statt über den Katalog und Telefon-Sales, dann ist das eine positive Leistung des Managements. Diese Leistung hat Quelle nicht erbracht. Daher wüsste ich nicht, warum Neckermann nicht davon profitieren sollte, wenn eines der TOP 3 Versandhäuser die Türen dicht macht und somit Versandhäuser wie Neckermann und Otto hiervon profitieren.