Blog

Lagebericht einer Partei: Die SPD ist in der Opposition

Montag, September 28th, 2009 @ 00:45

Zugegeben bin ich sehr enttäuscht, dass die Sozialdemokraten gestern ihr schlechtestes Wahlergebnis seit der Nachkriegszeit eingefahren haben. Die SPD hat über 11% ihrer Wähler verloren und ist nun Oppositions-Partei.

Wie konnte es so weit kommen?

Unsere Bevölkerung ist durch die Wirtschaftskrise verunsichert. Wir alle erinnern uns noch an die Meldungen von zusammenbrechenden Banken und die große Verunsicherung der betroffenen Kunden – auch hier in Deutschland. Wähler wünschen sich in diesen stürmischen Zeiten eine solide Regierung, welche Sicherheit und Stabilität verkörpert.

Angela Merkel ist in ihrem Wahlkampf und insbesondere bei medienwirksamen Auftritten wie dem TV-Duell, stets auf diesen wichtigen Punkt eingegangen.

Sie erwähnte, dass die Union aber auch die große Koalition in den letzten 4 Jahren eine gute Arbeit verrichtet hat. Man habe konsequent Arbeitsplätze geschaffen und diverse Reformen auf den Weg gebracht. Durch eine Koalition mit der FDP sieht sich die Union in einer besseren Position, um Punkte aus dem eigenen Programm umzusetzen.

Auf den Punkt gebracht: Frau Merkel warb für bisher Geleistetes und betonte, dass man dies mit der FDP noch besser machen könne. Hierbei erzeugte sie bei ihren Wählern das Gefühl, dass so die Politik der Union ein stabileres Fundament bekommen würde. Das ist quasi genau das, was einem Wähler in der heutigen Wirtschaftskrisen-Zeit wichtig ist.

Ganz anders sah es bei der SPD aus. Die SPD hat sich selbst zum Zeitpunkt des TV-Duells nicht klar zu einem potentiellem Koalitionspartner geäußert. Stattdessen hat Herr Steinmeier das Parteiprogramm in den Vordergrund gestellt und darauf hingewiesen, dass die Union in vielen Punkten versagt hat und die SPD vieles besser machen könne. Steinmeier hat in seinen Reden allerdings immer sehr gut die Qualität des eigenen Parteiprogramms kommuniziert. Mich überzeugten seine Reden, aber auch auch die Inhalte des Programms.

Doch wie gesagt, die Wähler in unserem Lande scheinen in einer “Schwarz-Gelben” Koalition mehr Stabilität zu sehen als in einer starken SPD, bei der die Wahl des Koalitionspartners ungeklärt ist. Warum hat Steinmeier nicht schon zu beginn klar kundgetan, dass eine Kolation aus “Rot-Grün” gewünscht wird? Das hätte sicherlich vielen Wählern ein geordneteres Gesamtbild über die politische Perspektive der SPD verschafft. Schließlich sind sich die Programme der SPD und der Grünen nicht sehr fremd. Siehe z.B. die Parallelen im Atomausstieg.

Wie dem auch sei, die SPD hat nun eine Menge Hausaufgaben zu erledigen. Die SPD muss sich erneuern. Es müssen neue Gesichter her. Müntefering sollte sich um einen Nachfolger bemühen und Steinmeier sollte gut überlegen ob er als Franktionsvorsitzender noch der geeignete Mann ist.

Die SPD muss wieder zur Volkspartei werden. Keine Oppositionspartei und kein “schwacher Partner” in einer regierenden Koalition.

3 Responses

  1. David says:

    Also ich muss sagen, dass ich mit der Wahl sehr sehr zufrieden bin. Die SPD hat m.E. nach nicht wegen des nicht genannten Wunschkoalitionspartners “Die Grüne” so schlecht abgeschnitten sondern weil sie sich einfach nicht mehr treu sind. In Hessen hatte die Ypsilanti bspw. klar ihr Wahlversprechen gebrochen.

    Ich denke sogar, dass die CDU/FDP noch viel besser abgeschnitten hätte, wenn die Merkel einen besseren Wahlkampf gemacht hätte und bereits vor Monaten KLAR geäußert hätte, mit der FDP regieren zu wollen.

    Und zu deinem dir wohl sehr wichtigem Theme, der Atomausstieg:

    Ich denke jede Partei ist sich bewusst, dass ein Atomausstieg stattfinden muss. Doch die Zeit bis 202* ist einfach zu knapp. Endlagerproblem? Das haben wir so oder so. Müll wurde bereits produziert und muss so oder so irgendwo gelagert werden. Ob die Atomkraftwerke morgen, 202* oder 2050 abgeschaltet werden. Und, ein Sicherheitsproblem sehe ich ebenfalls nicht: Frankreich bspw. hat fast 60 Atomkraftwerke die auch zum Teil sehr nah an Deutschland stehen. Die anderen EU-Länder ebenfalls.

    Also: Ich bin mit der gewählten Regierung sehr zufrieden und hoffe, dass viele Punkte der FDP umgesetzt werden (vereinfachtes Steuersystem, stärkung der Bürgerrechte. etc.), dann gehts mit Deutschland auch wieder stark bergauf.

    September 28th, 2009 at 10:51
  2. Tobias says:

    Hey David,
    mir geht es eigentlich primär darum, dass ich in einem Atomaussteig wirtschaftliche Chancen für Deutschland sehe. Ich denke, dass ein beschlossener und zeitnaher Atomausstieg die Unternehmerkultur im Bereich “erneuerbare Energien” noch mehr pushen würde. Und Deutschland braucht meiner Meinung nach eine Vorreiter-Rolle im Bereich “erneuerbare Energien” um Technologieträger zu werden. So könnte Deutschland in 10 Jahren – genau dann wenn die Erdölvorkommen aufgebraucht sind – weltweit führende Technologie aufweisen und sich zum Exportweltmeister in diesem Sektor entwickeln. Das könnte enorm viele Arbeitsplätze schaffen…

    Aber naja… Sehen wir mal, was schwarz-gelb nun auf die Beine bekommt und wie sich die SPD in der Opposition behaupten wird.

    September 28th, 2009 at 12:20
  3. Mirea says:

    Meine Meinung steht in meinem Blog…

    September 28th, 2009 at 14:40

Leave a reply

Logged in as (Logout)