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Unternehmenskultur im Internet-Unternehmen

Montag, Oktober 19th, 2009 @ 02:36

Der Tod Reinhard Mohns, Leitfigur des Bertelsmann Konzerns, brachte in der letzten Woche oftmals das Thema “Unternehmenskultur” auf meinen Gesprächsplan.

Reinhard Mohn gehört zu den beeindruckendsten Unternehmern, die unser Land je gesehen hat. Wohl kein zweiter Unternehmer hat sich derart viele Gedanken zum
Thema “Unternehmenskultur” gemacht, wie er.

Schon früh erkannte Mohn, dass Unternehmertum nicht nur bedeutet, kapitalisitische Interessen in den Forderung zu stellen. Seine Auffassung von Unternehmertum war zugleich eine Verpflichtung. Die Verpflichtung gegenüber Menschlichkeit, Respekt, Selbstverwirklichung und Zusammengehörigkeit. Nach diesen Werten hat er den Bertelsmann-Konzern zu dem gemacht, was er heute ist. Ein erfolgreicher Konzern mit über 110.000 Mitarbeitern weltweit.

Mohn war mit dem Stil seiner Unternehmensführung schon immer der Zeit voraus. So hatte die Berteilsmann AG bereits im Jahr 1970 eine Gewinnbeteiligung eingeführt. Andere Unternehmen führten derartige Modelle erst in den späten 90er Jahren ein.

Auch heute legt der Bertelsmann Konzern großen Wert darauf, die Meinung seiner Mitarbeiter einzuholen. So werden alle 4 Jahre alle Mitarbeiter schriftlich befragt, wie sehr sie mit den jeweiligen Bereichen des Unternehmens zufrieden sind.

Da ich mich nun mitten im unternehmenerischen Aufbau rund um SevenSnap befinde, stellt sich auch für mich die Frage nach der optimalen Unternehmenskultur.

Bereits durch meine ehemaligen Unternehmen habe ich gelernt, dass folgende Punkte enorm wichtig sind.

Respekt
Jeder Mitarbeiter ist im Unternehmen, weil die Geschäftsleitung uneingeschränkt von dessen Fähigkeiten und Potential überzeugt ist. Respekt braucht sich niemand erarbeiten. Jedem Mitarbeiter wird von der ersten Stunde an Respekt entgegen gebracht.

Freiraum zur persönlichen Entfaltung
Jeder Mitarbeiter braucht Freiraum zur persönlichen Entfaltung. Daher frage ich jeden Mitarbeiter, welches Thema seines Arbeitsbereiches ihm besonderen Spaß bereitet, welche Themenbereiche er gerne vertiefen möchte, in welchen Bereichen er künftig mehr lernen möchte und wo der Mitarbeiter seine eigentlichen Stärken sieht.

Derartige Informationen sind besonders wichtig. Mitarbeiter die sich über- oder unterfordert fühlen oder aber auch grundlegend keinen Spaß an der zugeteilten Arbeit besitzen, sind hochgradig kontraproduktiv. Kennt man die Vorlieben, Fähigkeiten und Ziele eines jeden Mitarbeiters, so kann man Aufgaben besser delegieren und so ein optimales Ergebnis erzielen und zudem dafür sorgen, dass sich der Mitarbeiter dem Unternehmen verbundener fühlt.

Verantwortung
Ein Mitarbeiter ist wertlos, wenn er sich nicht mit dem Unternehmen, Produkt und Team identifiziert. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter Aufgaben übertragen bekommt, für dessen Resultate er verantwortlich ist. Wer einem Mitarbeiter Verantwortung überträgt, wird miterleben, dass sich der Mitarbeiter in Diskussionen und Präsentationen überdurchschnittlich einbringt.

Er fühlt sich mit seiner Arbeit, dem Resultat, Kritik und dem Unternehmen an sich, viel enger verbunden und vorallem involviert.

Kleine Teams bilden
Ein Produkt im Internetbereich besteht aus vielen Komponenten. Server-Administration, Softwareentwicklung in zahlreichen Teilbereichen, Design, Public Relations, Usability-Analysen und Optimierungen und vieles mehr. Startet ein Internetdienst, an dessen Realisierung eventuell weit mehr als 20 Personen mitgewirkt haben, so nimmt das Gefühl der persönlichen Zugehörigkeit drastisch ab. Erfolge werden nicht konkret genug an den jeweiligen Mitarbeiter adressiert.

Optimal wäre es, wenn jeder Mitarbeiter sagt: “Ich habe dieses Produkt gemacht!”. Faktisch betrachtet ist dies natürlich nicht korrekt, da das Projekt von einem Team realisiert wurde. Jedoch kann man dafür sorgen, dass sich jeder Mitarbeiter dem Produkt so nah fühlt, dass er der festen Überzeugung ist, dass er für das Gesamtresultat verantwortlich ist.

Demnach ist es zum einen wichtig, dass kleine Teams gebildet werden. Kleine Teams, die Aufgaben und Verantwortung für Teilbereiche übernehmen, fühlen sich diesen Bereichen besonders nah, da sie an sehr konkreten und präzisierten Aufgaben arbeiten. So gibt es z.B. 3 Developer Teams, 1 Design Team und 1 PR-Team.

Um jedoch nun die Brücken dafür zu schlagen, dass sich jeder Mitarbeiter mit dem gesamten Produkt involviert fühlt, ist es wichtig, dass Schnittstellen zwischen den Teams geschaffen werden. Jeder der im Developer-Team arbeitet, muss durchaus auch in Kenntnis darüber gesetzt werden, was das PR-Team macht und Vorschläge mit einbringen können. Dies gilt für alle Teams. Sind die Teams untereinander vernetzt, so steigt das Gefühl, für das gesamte Projekt ausschlaggebend zu sein. Daher sind also viele kurze Meetings zwischen den Teams enorm wichtig und fördern die Integrität in das Gesamtprodukt.

Freier Kopf
Nur wer entspannt ist, kann kreativ arbeiten. Gerade im Software-Geschäft ist mir in den letzten Jahren aufgefallen, dass viele “Web-Worker” zuwenig für ihr geistiges Wohl tun. Auch ich hatte bereits eine Phase in der ich mich chronisch ausgelaugt und überarbeitet fühlte. Als ich damit angefangen hatte, mehrmals pro Woche schwimmen zu gehen, hat sich mein Zustand schnell wieder erholt.

2006 hatte ich einen Test gemacht:
Arbeitsbeginn in meinen Unternehmen ist grundlegend immer 9:00 Uhr. Ich hatte meinen Mitarbeitern angeboten, dass sie Montags und Mittwochs um 09:00 Uhr zum gemeinsamen morgentlichem Schwimmen mitkommen könnten. Alle damaligen Mitarbeiter (ca. 20) hatten sofort zugestimmt. Das Ergebnis: Montags und Mittwochs waren seitdem von Creative-Lab-Sessions geprägt. Es ist wahrhaft erstaunlich wie positiv sich 45 Minuten schwimmen auswirken können.

Sicherlich gibt es noch viele weitere Punkte über welche man im Zuge von “Unternehmenskultur” diskutieren könnte. Auch für mein neues Unternehmen SevenSnap, welches sich gerade im Aufbau befindet, werde ich in den nächsten Tagen meine Grundlagen in Sachen “Unternehmenskultur” zu Papier bringen. Hierbei werde ich meine Erfahrungen aus früheren Unternehmungen einbringen und zudem auch Werte von anderen Unternehmern studieren und versuchen anzuwenden. Übrigens: Seine anvisierten Werte in Sachen “Unternehmenskultur” zu Papier zu bringen, ist durchaus positiv. So kann man regelmäßig nachlesen, Erfahrungswerte nachtragen und die Ziele konkreter verfolgen.

Wenn ich noch einen Tipp aussprechen dürfte: Versucht im Unternehmen einfach mal neue, frische Modelle aus… Einfach probieren und Mut für neue Wege an den Tag legen.

One Response

  1. Wella says:

    Sehr schöner Artikel, empfinde ich gerade als unglaublich
    aufbauend und informativ :-) falls ich “später” mal in Richtung Selbständigkeit und Unternehmensgründung husche, werde ich viele wertvolle Tipps
    aus diesem Artikel mitnehmen.
    Hab grad deinen Blog/deine Seite entdeckt und werde mich erstmal durchlesen,
    durch die Apple Weisheiten :)

    beste Grüße

    November 19th, 2009 at 23:15

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